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Oldenburger Schlossgespräche 2018

"Glück kommt selten allein - Warum Gemeinschaft, Mitgefühl und Singen wichtig sind."
Arzt, Autor und Kabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen im Gespräch mit vier weiteren Experten.

Oldenburger Schlossgespräche 2018In Anbetracht von Krieg, Hunger und Armut auf der einen und Frieden, Wohlstand und einem funktionierenden Gesundheitssystem auf der anderen Seite wundert es wenig, dass das Glück unter den Menschen ungerecht verteilt ist.

Allerdings sind es nur bedingt äußere Faktoren, die auf das Glücksgefühl einwirken. Für den „World Happiness Report“ ermitteln Wissenschaftler im Auftrag der Vereinten Nationen einmal jährlich die Länder mit den glücklichsten Menschen auf der Welt. Demnach liegen die skandinavischen Länder und die Schweiz stets auf den vorderen Rängen, während Burundi, Syrien und Togo 2016 die Schlusslichter bildeten. Deutschland schaffte es lediglich auf Rang 16.

Aber wie lässt sich Glück eigentlich messen? Und welche Faktoren sind wichtig für die Ausschüttung von Glückshormonen? Diesen Fragen gingen Dr. Eckart von Hirschhausen (Mitte) und seine Podiumsgäste bei den 10. Oldenburger Schlossgesprächen nach. Prof. Dr. Jutta Allmendinger (3. v.l.), Anselm Bilgri (l.), Prof. Dr. Tobias Esch (r.) und Prof. Dr. Günther Kreutz (2. v.r.) diskutierten angeregt über die unterschiedlichen Aspekte des Themas – aufmerksam verfolgt von rund 200 Zuhörern im Oldenburger Schloss.

Entscheidende Aspekte  für Glück sind neben vererbten Faktoren auch Chancengleichheit und damit verbunden das Vermögen, das eigene Leben gestalten und Dinge zum Positiven beeinflussen zu können, stellten die Wissenschaftler fest. Flankiert wird dies von Vertrauen, Großzügigkeit und Freundschaft. Angst, Misstrauen und das Gefühl, dem Leben hilflos ausgeliefert und auf seine Schattenseite verbannt zu sein, hemmen hingegen Glücksgefühle.

Weiter wurde deutlich: Geld wird ab einem gewissen Punkt maßlos überschätzt: Wenn der Lebensunterhalt gesichert ist und es vor allem keine signifikante Ungleichverteilung in der jeweiligen Gesellschaft gibt, spielen die Finanzen eine eher untergeordnete Rolle. Und wer viel Geld hat und dennoch unglücklich ist, der gibt es vielleicht nicht richtig aus: Die Forscher empfehlen, statt der Anhäufung materieller Güter eher  in gemeinsame Unternehmungen und besondere Erlebnisse mit Freunden und der Familie zu investieren.

Insgesamt hängt das Glücksempfinden von sehr unterschiedlichen Faktoren ab, die wir teils beeinflussen können und denen wir teils ausgeliefert sind. Noch weitgehend unerforscht ist der Einfluss, den Glücksempfindungen auf das Gehirn haben und warum  es  Menschen gibt, die regelrecht eine Glücksangst entwickeln. Fest steht lediglich, dass dies eng mit frühkindlichen Erfahrungen zusammenhängt und  das jeweilige Empfinden eng an unser neurologisches „Belohnungssystem“ gekoppelt ist.

Marion Rövekamp, Vorstandsvorsitzende der EWE Stiftung (2.v.l.), erwähnte in ihrem Schlusswort insbesondere auch die Bedeutung von Empathie und Gemeinschaft für das subjektive Glücksempfinden im Zeitalter der Digitalisierung: „Bei allen großartigen Chancen, die der Digitalisierung inne wohnen, sollten wir darauf achten, uns Mitgefühl und Empathie zu erhalten. Der direkte zwischenmenschliche Kontakt und eine gute Kommunikation erscheinen mir deshalb nach wie vor  unerlässlich für ein konstruktives und friedliches Miteinander.“

Die Oldenburger Schlossgespräche sind eine seit 2009 stattfindende Kooperationsveranstaltung von EWE Stiftung und Universität Oldenburg. Aktuelle Informationen und einen Veranstaltungsrückblick finden Sie unter www.oldenburger-schlossgespraeche.de.