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Wissenschaft & Forschung

Unsere aktuellen Projekte im Bereich Wissenschaft & Forschung
Grabenfauna

Universität Oldenburg, Institut für Biologie

Gräben als Lebensraum

Allein das Land Niedersachsen durchziehen mehr als neunzigtausend Kilometer Gräben, rund dreißigtausend davon befinden sich in den gefällearmen Fluss- und Seemarschen. Die Region Weser-Ems ist Teil dieser Naturlandschaft, die ursprünglich eine intensive Verzahnung von Watt- und Feuchtgebieten aufwies und oft großflächig überstaut wurde. Die Besiedlung und landwirtschaftliche Nutzung der fruchtbaren Marschenböden intensivierte sich erst infolge von Deichbau und ausgeklügelter Grabensysteme. Grabengebiete stellen deshalb in der Region Weser-Ems zugleich historisch gewachsene Landschaftselemente und essenzielle Funktionseinheiten des so genannten Wassermanagements dar.

Im Rahmen eines Forschungsprojekts der Universität Oldenburg mit dem Titel „Untersuchung zur Habitatpräferenz wirbelloser Tiere in Drainagegräben in der Region Weser-Ems“ ging es darum, differenzierte Grundlagenkenntnisse über die Artenvielfalt in den Gräben der Weser-Ems-Region zu sammeln. Untersucht wurden dabei die Präferenzen, also Vorlieben, grabenlebender Tiere und ihre Bindungen zu ihrer umgebenden Flora und Fauna. Gräben bilden den Lebensraum für zahlreiche, teilweise geschützte Arten, darunter Fische und wirbellose Tiere, und tragen durch massenhaft schlüpfende Insekten zur Ernährung von Schwalben, Fledermäusen und anderen Räubern im Umfeld bei.

Hintergrund für die Untersuchung war der Sachverhalt, dass die Methoden der Grabenunterhaltung heute sowohl den veränderten Ansprüchen des Wasser- und Hochwassermanagements als auch den ökologischen Anforderungen genügen müssen, die auf eine nachhaltige Pflege und Entwicklung der Gräben abzielen. Das von der EWE Stiftung im Jahr 2016 geförderte Projekt, das gezielte Analysen, Experimente und Wahlversuche in ausgewählten Gräben der Region umfasste, liefert einen Beitrag zum Schutz und zur nachhaltigen Entwicklung der regional prägenden Grabenlandschaften. Studierende der Landschaftsökologie wurden in einem eigens dafür entwickelten Studienmodell in die Grabenuntersuchungen eingebunden, um methodische Ansätze, ökologische Grundlagen und wissenschaftliche Forschung in solchen Systemen zu vermitteln. Die Verbindung von Forschung und Lehre rückt das Projekt und die Grabenlandschaften der Region als Lebensräume für Tiere und Pflanzen stärker in den Fokus von Gesellschaft und Wissenschaft.

Leuchtturm Tossens

Deichacht Esens

Chronik der Deich- und Sielachten

Seit den ersten Ansiedlungen entlang der norddeutschen Küste musste der Mensch lernen, seinen Lebensraum vor den Naturgewalten zu schützen  und sich gegen die Sturmfluten der Nordsee, aber auch gegen hohe Wasserstände im Binnenland zu schützen. So erhielt das Küstengebiet seine typische Prägung durch Warften, Deiche, Siele und Wasserläufe.

Wie überall entlang der Nordseeküste wurde auch im Harlingerland schon früh Deichbau betrieben. Dabei wurden auch Maßnahmen ergriffen, um eine möglichst ausreichende Binnenentwässerung sicherzustellen. So entwickelte sich ein Deichwesen zum Schutz gegen Sturmfluten und ein Sielwesen, das sich mit der Entwässerung des Binnenlandes über Siele und Tiefs befasste. Beide Aufgabenbereiche sind eng miteinander verknüpft  und werden nun – mit Unterstützung der EWE Stiftung – in einem umfassenden Buch beschrieben. Auf 862 Seiten spannt die „Chronik der Deich- und Sielachten“ einen Bogen von den Anfängen des Kampfs der Menschen in Ostfriesland gegen die Fluten, den ersten Deichbauten, Sturmflutkatastrophen und den Erfolgen der erneuten Landgewinnung, der Entwicklung von Organisationen im Deich- und Sielwesen bis zu den heutigen Verbänden.

Der historische Rückblick reicht bis ins Jahr 1600, als das Harlingerland dem Herrschaftsbereich der ostfriesischen Grafen aus dem Geschlecht der Cirksena angegliedert wurde. Von dem sich hier eigenständig entwickelnden Deich- und Sielwesen zeugt eine umfangreiche Aktensammlung, die das Niedersächsische Landesarchiv – Standort Aurich – aufbewahrt. Aus den Schriftstücken wird ersichtlich, welche Anstrengungen in den letzten 400 Jahren unternommen wurden, um sowohl den Schutz vor Sturmfluten als auch die Binnenentwässerung voranzubringen.

Um ihre Leistungen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, wird im Buch auch auf die Menschen eingegangen, die an der Entwicklung des Deich- und Sielwesens in der Region maßgeblich beteiligt waren. Dass die in der Vergangenheit erbrachten Leistungen den heutigen dabei in keinster Weise nachstehen, wird bei einem  Vergleich der technischen Möglichkeiten von Planung und Bauausführung deutlich.

Die Chronik der Deich- und Sielachten im Harlingerland gibt einen spannenden Einblick in das Thema und ist darüber hinaus ein interessantes Nachschlagewerk zu Maßnahmen und Entscheidungen, die geholfen haben, Deiche, Tiefs und Siele im Laufe der Jahre und Jahrhunderte zu einem attraktiven Lebensraum zu machen. 

Austernfischer

Senckenberg Forschungsinstitut

Forschungsprojekt "Molekularer Fingerabdruck für die See- und Küstenvögel Niedersachsens"

Die zahlreichen verschiedenen See-, Küsten- und Meeresvogelarten gehören zu den charismatischsten, charakteristischsten und ökologisch wichtigsten Tieren der Nordseeküste. Was wäre ein Besuch am Nordseestrand ohne Möwenrufe und Vogelkreischen? Die zu beobachtende Artenvielfalt ist groß: zahlreiche Entenvögel, Möwen, Seeschwalben, Watvögel und Seetaucher sind Dauergäste; andere Arten wiederum rasten, überwintern oder brüten nur hier.

Das Deutsche Zentrum für marine Biodiversitätsforschung  / Senckenberg am Meer in Wilhelmshaven beschäftigt sich seit dem Jahr 2010 mit der Evaluierung verschiedener molekularer Methoden zur Artidentifizierung bei marinen Organismen. Eine davon ist das so genannte „DNA Barcoding“. Aus den Gewebeproben der Vögel wird dabei die DNA extrahiert und einer wachsenden „Barcode-Bibliothek“ zugefügt. Die neu gewonnenen Daten ermöglichen eine genetische Identifizierung von See- und Küstenvögeln und geben Einblicke in die bislang unbekannte genetische Variabilität zahlreicher Vogelarten. Die Barcode-Bibliothek stellt als moderne Methode letztlich auch eine essenzielle Grundlage für den gezielten Arten- und somit Naturschutz durch nachfolgende Schutzmaßnahmen dar.

Das von der EWE Stiftung geförderte Forschungsprojekt generierte im Zeitraum 2015/2016 (18 Monate) DNA Barcodes von 170 See- und Küstenvögeln, die den bereits vorliegenden Sequenzen beigefügt wurden. Die Ergebnisse wurden publiziert, die Sequenzdaten wurden in der „Barcode of Life Datenbank“ (www.bold.org) hinterlegt und so für die Allgemeinheit zugänglich gemacht.